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„Glaube ist Privatsache“ – mit dieser Phrase gehen auch diskutierfreudige Menschen einer konsequenten Auseinandersetzung mit Religion, Esoterik und Irrationalismus aus dem Weg. Doch religiöse Anschauungen haben eine gesellschaftliche Funktion und sind politisch, auch wenn sie sich nicht mehr zwingend an religiösen Institutionen orientieren. Religionen legitimieren und idealisieren Herrschaft und Elend in unterschiedlichen Ausprägungen. So wird nicht nach den Ursachen von Ausbeutung, Krieg, Umweltzerstörung und Rassismus gefragt, sondern nach einem „höheren Sinn“ dahinter, sprich: nach einer Legitimation. Gott oder Gottheiten werden dabei als Herrscher*innen gedacht, die mit allem was real geschieht, angeblich gute Absichten verfolgen.

Esoterische Ansätze treten nach außen hin äußerst vielfältig und wandelbar auf, kommen zum Teil ohne einen persönlichen Gott aus und docken noch raffinierter an autoritären Sehnsüchten ihrer Zielgruppen an. Allen esoterischen Strömungen gemeinsam ist ein ausgeprägtes Elite-Denken. Dies geht mit der Abwertung derer einher, die nach der jeweiligen Definition nicht zur Elite gehören. Hinter der freundlich-entspannten Fassade gedeihen Rassismus, Antisemitismus und patriarchale Familien- und Geschlechterrollenbilder – sowie die Vermögen der selbsternannten Gurus. Esoteriker*innen glauben meist an „Schicksal“ und „Karma“ und haben damit große Schnittmengen mit dem Buddhismus. Dessen Oberhaupt, der Dalai Lama, ist auch bei vielen Linken beliebt. Dabei produziert er nicht nur inhaltsleere Kalendersprüche, sondern pflegt sein völkisches und frauenfeindliches Weltbild ebenso wie enge Freundschaften zu alten und neuen Nazis.

Der Glaube an Gott, Karma oder Schicksal raubt den Menschen den Verstand, ihr Leben zu verstehen und somit auch die Kraft und die Fähigkeiten, die Gesellschaft zu verändern. Die entscheidende Frage ist nicht, welchen vermeintlichen „Sinn“ das Elend hat, das wir in der realen Welt vorfinden, sondern wie wir es beenden können.

Referent: Oliver Kube