Der Blick zurück2018-06-24T11:51:57+00:00

Januar 1975

Prähistorisches (1975-79)

Seit 1975 hatte der Vorläufer des DemoZ, das „Kritische Forum – Gesellschaft für sozialistische Politik und Bildung Stuttgart-Ludwigsburg“ zum Beispiel mit Prof. Dr. Altvater oder italienischen Gewerkschaftern Veranstaltungen gemacht. Auch war im November 1976 eine portugiesische Delegation zu Besuch um von der noch frischen Portugiesischen Revolution zu berichten. In einem Text vom Juni 77 wird das Projekt eines „Solidaritätszentrum Kooperative e.V.“ erwähnt. Im Marz 1978 wird in einem Brief nach dem Interesse für ein „Kommunikationszentrum“ gefragt: zehn Interessierte. Am Mittwoch, dem 7. Juni 1978 findet im „Kurrle“ die Gründungsversammlung statt. Diskutiert wird über Plattform, Satzung und Räumlichkeiten. „Unsere vorläufige Mitgliederliste hat bereits mehr als 40 Namen“ Vorgeschlagener Name: Demokratisches Zentrum.

Es werden immer mehr Leute, doch noch mehr Mitglieder sind notwendig, um die Miete für Räume aufzubringen. Der Rundbrief vom 28.6.1979 ist schon vom „Demokratischen Zentrum – Verein für kulturelle und politische Bildung e.V.“ unterzeichnet. Im Juli 1979 wurden dann die Räume in der Wilhelmstraße angemietet. Am 2. 0ktober fand dann das erste Treffen in den Räumen des DemoZ statt. Beginn der Renovierung: am 1. Dezember: „Wir bitten zahlreich zu kommen; zahlreicher als bisher

Januar 1980

1980: Das erste Jahr

Endlich war es soweit, doch es gibt eigentlich keinen festen Termin an dem das DemoZ eröffnet wurde.

Renovieren im Sommer 1980. DemoZ Pioniere beim gemeinsamen Futtern

Januar 1981

1981

Rocker und das Stadtblatt

Mitte der 1980 war das „Ludwigsburger Monatsblatt“ – die Nachfolgerin der „Zeitung aus der Villa 5“ mangels Mitarbeiter*Innen eingegangen. Doch schon 1981 entstand das „Ludwigsburger Stadtblatt“, das bis 1988 im DemoZ gemacht wurde und dessen zahlreiche Feste zur Kohlebeschaffung des kulturellen Lebens des Zentrums entscheidend mitprägten.

 

Einfall der Rocker

Sie laufen Weihnachten 80 das erste Mal ins Zentrum ein. Viele Leute bekommen Muffe und verdrücken sich. Anfang 1981 kommen sie immer wieder, ziemlich Spannungen, nächtelanges Generve. Durch den Einfall der Rocker kommt teilweise fast alles zum Erliegen, vor allem die Kneipe kann nicht mehr unbelastet durchgeführt werden. Zwei üblere Vorkommnisse: Einmal entsteht eine Schlägerei – Polizei wird gerufen und in einem anderen Fall wird ein DemoZ-Mitglied vor dem Haus zusammengeschlagen.

Stunk und Trunk zum „100-jährigen Jubiläum“

Die witzige Idee, nach einem Jahr des Bestehens gleich eine „100 Jahr-Feier“ zu veranstalten, löste im Vorfeld einen ordentlichen Knatsch und eine außerordentliche Mitglieder-Vollversammlung aus. Das Fest wurde dann ein Bombenerfolg und das DemoZ war wirklich brechend voll. Jede/r Besucher*In konnte sich am Eingang entscheiden zu welcher Gruppe er auf dieser 100 Jahr-Feier gehören wollte. Graue Panther, Außerirdische, Reporter, Junge Rebellen oder Machos standen zur Auswahl. Besonders gealtert – fast hundertjährig – erschien der Kassierer und gab den Kassenbericht 2080.

Gegen einen Palazzo Prozzo

Gegen unser heute allerseits geliebtes „Forum am Schlosspark“, dass uns Ludwigsburger*Innen jährlich über 10 Millionen Mark kostete, wendete sich eine Bürgerinitiative. Diese gründete sich Anfang 1981 im DemoZ und entwickelte ihren Protest bis hin zu einer Volksabstimmung. Leider entschied sich die Mehrheit für die teuerste Lösung.

Stadt reißt schneller ab

Einer im Februar entstandenen Selbsthilfegruppe der Wohnungssuchenden war kein langes Leben beschieden. Das Anfragen bei der Stadt, ob man ein leerstehendes Haus in der Solitudestraße 16 beziehen könnte, wurde von der Stadt mit der sofortigen Entsendung eines Bautrupps und dem raschen Abriss beantwortet.H

Im DemoZ bildete sich ein Komitee „Solidarität mit Solidarnoc“, dass aktiv die polnische Oppositionsbewegung unterstütze. Zum Beispiel indem sie im Westen hergestelltes Propagandamaterial der polnischen Gewerkschaft nach Polen einflog. Der Versuch, es mit dem Auto durch die DDR zu transportieren, scheiterte zuvor an sturen DDR-Grenzern.

Gruppen im DemoZ sind 1981 das Ludwigsburger Stadtblatt, der Arbeitskreis Leben, das AK Betrieb und Gewerkschaft, die Naturfreunde, die Spielgruppe, die Gorlebengruppe, die Grünen, die DFG-VK, die Kneipengruppe und die Selbsthilfegruppe der Wohnungssuchenden. Es gibt bereits die Müsli-Disco und im Oktober fahren fast alle zur Friedensdemo nach Bonn.

Januar 1982

1982

Immer wieder ein leidiges Thema: Die Benutzer-Gruppen beteiligen sich nicht an der Organisierung des DemoZ, Putz- und Thekendienste, erscheinen nicht auf Sitzungen. Aber es geht, wenn auch manchmal mit viel Frust, weiter.

Bhagwahnis bleiben

Lebhaft entwickelten sich Tanz und Mediation im Zentrum. Manchen war dies ein Dorn im Auge. Die Redaktion des Ludwigsburger Stadtblatts stellt im September den Antrag an die Vollversammlung, die Bhagwans aus dem DemoZ zu werfen. Dies führte zu einer der bestbesuchten Vollversammlungen in der Geschichte der DemoZ. Der große Saal war brechend voll. Eine Abstimmung wurde vermieden, da sie nur zu einer Schlappe der Antragsteller geführt hätte. Es konnte weiterhin ungestört weiter meditiert werden. An diesem Fall bewies sich eine extrem liberale Grundstimmung im Demokratischen Zentrum. Die große Mehrheit der Mitglieder war nicht bereit leichtfertig Verbote und Ausschlüsse auszusprechen.

 

Im Dezember wurde die Diskussion über die Perspektiven eines alternativen Linksblocks zur Gemeinderatswahl angeregt. Anfang 1983 wurde sie weitergeführt, aber blieb ohne praktische Folgen.

Januar 1983

1983

Im DemoZ wurden auch regelmäßig donnerstags Filme gezeigt. Hier ein Querschnitt durch das Programm 1983: „Der Aufstand“ – Spielfilm über Nicaragus, „Die sieben Samurai“ von Kurosawa, „Leichen pflastern seinen Weg“, „der letzte Tango in Paris“, „der Rabe“, „das Ende – Film Quadrophenia“, „das Mädchen mit dem roten Haar“, „Alambrista“ und „Wie der Fussball nach Georgien kam“.

Im April findet ein Benefiz-Fest für das „Schwarze Schaf“ statt, dem eine Menge Knete geklaut worden war.

Vobo-Ini, die erste

Eine VolkszählungsBoykott-Initiative-Gruppe bildet sich gegen eine von der Bundesregierung geplante Volkszählung. Ein paar Wochen lang treffen sich im DemoZ zwischen 50 und 100 Leute, und bereiten in vier Arbeitsgruppen eine Kampagne vor. Auch Rechtsberatung wird organisiert.  Auch eine Fete mit Müsli-Disco. Doch dann wurde dieser erste Versuch einer Volksausfragung vor einem Gericht gestoppt und die Initiative ging für ein paar Jahre, bis zum nächsten, diesmal erfolgreichen Versuch der Regierung, wieder heim.

Immer wieder wird im DemoZ das Thema Männer – inzwischen auch von Männer selbst aufgegriffen, z.B. liest im Juni H.C. Flemming „Texte zum Thema Männer“ im Zentrum. Aber ausgesprochene Männergruppen bilden sich erst Jahre später.

Das DemoZ brennt aus

 

In der Nacht vom 16. Auf den 17. Juni 1983 legt ein 19. Jähriger erfolgreich Feuer im DemoZ (Der Versuch in der Villa 5 in der gleichen Nacht misslingt). Der Täter wird geschnappt. Politische Motive liegen nicht zugrunde. Das DemoZ muss für Monate geschlossen und vollständig renoviert werden.

Nach dem Brand und der anschließenden Komplettrenovierung auf Versicherungskosten, wird die DemoZ-Kneipe im Oktober wieder geöffnet und donnerstags werden auch wieder Filme gezeigt.

Im Oktober findet die Menschenkette Stuttgart-Ulm statt. Im November beehrt Henning Venske das DemoZ.

Der schon traditionelle Weihnachtslauf, am Morgen des Heiligabends durch den Wald zu joggen, findet auch in diesem Jahr wieder statt und endet mit der Stadtblatt-Sylvesterfete.

Januar 1984

1984

Musikalisch wird das Jahr im DemoZ mit Liedern von Micky Baumann und Ludwig Start und einem Abend mit „Des Geyers Schwarzer Haufen“ eröffnet.

Im Filmprogramm laufen Anfang des Jahres mehrere Filme und besondere Filmabende wie die Video Boogy Nacht oder die lange Video Nacht.

Es wird ordentlich gefeiert: Im März organisiert das Exekutivkomitee der Kneipengruppe eine „Grande Fête phenomenale“ und es gibt ein „Solifest für Blockierer“ und im Juni macht das Stadtblatt ein Fest mit Hoola Mandoola.

Tanztheater Flammenflug

Das Tanztheater „Flammenflug“ übte ihre Stücke hier ein, organisierte auch ein Tanztraining für Interessierte und ihr „die letzte Reise der Atlanten“ wurde einige Male im DemoZ aufgeführt.

Im September stellte der Karikaturenzeichner vom Stadtblatt, Josef Grosz, Zeichnungen aus und die Gruppe „College of Hearts“ führte das legendäre „New York muss brennen“ auf.

Januar 1985

1985

Die Grünen machen eine „Grüne Kneipe“, die mit einem Thema oder auch mit einem Film, wie z.B. „Fern vom Krieg, Gewehre aus Oberndorf“ verbunden werden.

140 Mitglieder

Auf der Vollversammlung am 13. März wird beschlossen, „dass Mitgliedsbeiträge in Zukunft per Lastschriftverfahren eingezogen werden“. Der Kassierer des Vereins hatte sich dafür eingesetzt. In den darauffolgenden Wochen und Monaten stieg die Mitgliederzahl auf 140 Personen.

Im April sucht die erste Punk-Band das DemoZ heim. Ebenfalls im April schlagen „Die 3 Spritzer“ die feministische Welt mit ihrem m Programm „Wann ist ein Mann ein Mann“ vor den Kopf.

Januar 1986

1986

Das Jahr 1986 begann mit den Schlachten bei Wackersdorf und wurde nach Atomkatastrophe in Tschernobyl von diesem Thema bestimmt. Eine der Höhepunkte politischer Aktivität aus dem DemoZ, die hier begann und von hier aus organisiert wurde war der Neckarwestheimer Herbst.

Neckarwestheimer Herbst

Als Ende April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl ein nur alle 10.000 Jahre wahrscheinlicher Supergau geschah mussten sich alle auf einmal mit Fremdwörtern wie Becquerel, Rem, Cäsium und dergleichen rumschlagen. Selbstverständliche Dinge wie Fahrradfahren, im Sandkasten spielen oder Milchtrinken, waren auf einmal in Frage gestellt. Im DemoZ entstand daraufhin einer großen Bürgerinnen- und Bürgerinitiative. Ein ständig besetztes Koordinierungsbüro wurde eingerichtet, verschiedenen Arbeitsgruppen trafen sich und es wurden Plakate und Utensilien für einen großen geplanten „Anarchronistischen Zug für das Leben“ erstellt und gelagert.

In der zweiten Oktoberwoche zog dann drei Tagelang der „Zug für das Leben“ mit bunt dekorierten Autos, Zirkuswagen, Traktoren und Fahrrädern durchs direkt zunehmende „Katastrophengebiet“ rund ums GKN, von Stuttgart nach Ludwigsburg, von Backnang nach Heilbronn und von Lauffen nach Bietigheim. In Städten und Dörfern wurde halt gemacht, Musikinstrumente ausgepackt, Transparente entrollt, Infotische aufgebaut, Theater gespielt, informiert und diskutiert. Empfangen wurde der Zug von den örtlichen Initiativen. Abends fanden in allen Orten Veranstaltungen statt. Am Sonntag gab es ein großes Abschlussfest auf dem Parkplatz des GKN. Rund 5000 Menschen hörten die Redebeiträge und Grußworte, lauschten der Musik und den Theatergruppen.

Im Jahr darauf gab es noch mehrere „Sonntagsspaziergänge“ und im Herbst eine Anti-AKW Demo am GKN.

 

Januar 1987

1987

1987 wurde gezählt. Wieder bildete sich eine Volkszählungs-Boykott-Initiative gegen die geplante Volkszählung. Doch diese Aktionen konnten die staatlichen Erbsenzählerei nicht stoppen.

Im Herbst organisierte das Stadtblatt eine Bootsfahrt auf einen französischem Canal, die „Kanalratten“ spielten noch lange „MAD“.

Januar 1988

1988

Ende des Ludwigsburger Stattblatt

Im Dezember 1988 endete ein Kapitel alternativer Zeitungsgeschichte: das Ludwigsburger Stattblatt gab endgültig auf.

Januar 1989

1989

Weiterbildung

Auf einem Seminar erarbeiteten die Aktiven eine Konzeption für die Zukunft des DemoZ. Im Herbst fanden die Ludwigsburger Anti-Apartheid-Tage unter aktiver Beteiligung des DemoZ statt.

Januar 1990

1990

Ende der DDR

Schon bald nach der Maueröffnung 1989 fand im DemoZ eine Infoveranstaltung mit einer Theaterregisseurin aus Ostberlin statt, die das erste Mal den Westen besuchen konnte und Ihre frischen Eindrücke einem sehr interessierten Publikum schilderte. Direkte Informationen aus erster Hand erhielten auch die Besucher*Innen ein halbes Jahr später. Im April berichtete Anton Kobel und Sabine Mayer, die in Dresden beim Aufbau der Gewerkschaften arbeiteten, im DemoZ von den Umwälzungen in Gesellschaft und Alltag.

Malen und Zeichnen in der Toscana

Im Frühjahr findet das erste Mal die vom DemoZ organisierte Mal- und Zeichenwoche statt. Eine Gruppe von etwa 10 Personen reiste über mehrere Jahre jährlich nach Südfrankreich und stellte im Anschluss die gezeichneten Bilder im DemoZ aus.

Theatercafé

Mit dem Einzug der Tanz- und Theaterwerkstatt 1989 (Belegung von Büro und Saal) entstanden zusammen mit dem DemoZ die Theatercafés. Das Podium in der Kneipe wurde zur Kleinkunstbühne, bei größeren Acts wurde der Saal bespielt.

Januar 1991

1991

Anti-Kriegs Komitee

Es durfte wieder demonstriert und durch Stuttgarts und Ludwigsburgs Straßen gelatscht werden, gegen den Krieg am Golf unter der Parole „Kein Blut für Öl“. Das AKK (Anti-Kriegs Komitee) diskutierte, plante und bastelte im Frühjahr jeden Donnerstag im DemoZ

11-D-Fete

Das zehnjährige Jubiläum musste wegen Personalmangel ausfallen. Dafür feierten wir ein Jahr später um so mehr. Bei Karibik-So- und mit der Gruppe „Porto Bello-Road“, Sambagruppe, Theatereinlagen vom „Schwarzen Schaf“ und den „Les Schneiders“.

Eine Männergruppe entsteht

Zwar wurde die Männerthematik schon Anfang der 80er Jahre wiederholt angesprochen, doch eine richtige Männergruppe bildete sich erst jetzt. Sie bestand über mehrere Jahre hinweg.

Januar 1992

1992

Endlich Kohle

Im September gibt es nach 12 unterstützungsfreien Jahren den ersten Zuschuss der Stadt Ludwigsburg, bescheidene 5000 Mark.

Januar 1993

1993

Planlos

Im Frühjahr hält Jutta Ditfurth „Ein Plädoyer für eine ökologische Linke Opposition“ und das DemoZ ist brechend voll, viele müssen leider draußen bleiben. Im April wird ein ganz neuer Vorstand gewählt, der mit frischem Schwung und neuen Ideen an die Arbeit geht. Ihm gelingt die Einbeziehung jüngerer Menschen ins DemoZ.

Zunächst gibt es wieder einmal in der Woche einen offenen Kneipenabend – das „Planlos“. Vor der großen Eröffnungsfete im Oktober wird gründlich renoviert und Theke und Wände werden bunter

Januar 1994

1994

ADFC und Tangobar

Seit Anfang des Jahres trifft sich der ADFC im DemoZ. Auch seine Reparaturkurse und Themenabende finden hier statt. Es entstehen zwei weitere Kneipenabende: Sonntagabend wird in der Tangobar das Tanzbein geschwungen und in Zusammenarbeit mit weiteren Ludwigsburger Vereinen entsteht das Café International. Das Jazzfrühstück am Sonntag wird wiederbelebt.