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Veranstaltung 

Wird das nächste Fukushima in Indien sein?
Titel:
Wird das nächste Fukushima in Indien sein?
Wann:
Freitag, 21.02.2014 | 19.30 h

Beschreibung

Wird das nächste Fukushima in Indien sein?

Die indischen Anti-Atom-Bewegungen – aktueller Stand und Herausforderungen

Mit Kumar Sundaram, DiaNuke.org


Die Bundesregierung und die deutsche Atomindustrie tun alles dafür. Sie beteiligen sich am Bau von Atomkraftwerken in Erdbeben- und Tsunami-Gebieten Indiens. Die nächste atomare Katastrophe wird kommen, wir wissen nur noch nicht wo und wann.

Ende der sechziger Jahre ging das erste AKW in Indien ans Netz. Inzwischen betreibt Indien zwanzig AKWs mit einer Gesamtkapazität von 4,7 Gigawatt. Es handelt sich um Schwerwasser-Reaktoren indischer Bauart mit relativ geringer Kapazität. Für 18 AKWs lieferte der deutsche Konzern KSB Pumpen. Die Atomreaktoren Indiens gehören zu den unsichersten und unzuverlässigsten der Welt. Unfälle und Beinahe-GAUs wurden verschwiegen, alles rund um die Atomkraft galt als Militärgeheimnis. Indien verfügt über Atomwaffen ohne den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet zu haben.

Die indische Regierung forciert die Errichtung von mehreren großen Atomanlagen mit jeweils sechs Reaktoren – wie in Fukushima. Die internationale Atomindustrie rechnet mit Geschäften im dreistelligen Milliardenbereich. 2008 war das Atomembargo gegen Indien aufgehoben worden.

Der erste Reaktor im südindischen Kudankulam ging im Oktober 2013 ans Netz und fiel seither schon mehrmals aus. Der Tsunami 2004 forderte auch in Kudankulam Menschenleben. Tausende wurden obdachlos. Für Tsunami-Opfer wurde nur wenige hundert Meter vom AKW-Gelände entfernt eine Ersatz-Siedlung errichtet. Am AKW in Kudankulam ist Siemens beteiligt.

Areva möchte, abgesichert mit einer Hermesbürgschaft der Bundesregierung, im westindischen Jaitapur sechs Reaktoren bauen – EPR-Reaktoren wie im finnischen Olkiluoto. Die Kosten des einen EPR-Reaktors in Finnland sind bislang von 3 auf 8,5 Milliarden Euro gestiegen.
In den letzten zwanzig Jahren gab es in Jaitapur drei Erdbeben oberhalb von fünf Punkten auf der Richterskala.

In Jaitapur, in Kudankulam und an allen anderen neuen Standorten stoßen die Atompläne der indischen Regierung auf starken Widerstand. In Haripur in West-Bengalen musste das Atomprojekt aufgegeben werden. In Kudankulam konnte die Inbetriebnahme nur mit massiver Polizeigewalt durchgesetzt werden.

Die indische Anti-Atom-Bewegung ist bei uns wenig bekannt. Umso mehr freuen wir uns über den Besuch eines indischen Aktivisten in Ludwigsburg.

Wir wollen an diesem Abend auch darüber diskutieren, wie sich die Anti-Atom-Bewegungen in Indien und in Deutschland gegenseitig unterstützen können.

Der Friedens- und Anti-Atom-Aktivist Kumar Sundaram lebt in Neu-Delhi. Er arbeitet für die indische Vereinigung für Atomwaffenabrüstung und Frieden (Coalition for Nuclear Disarmament and Peace, cndpindia.org). Seit Fukushima engagiert er sich schwerpunktmäßig gegen die Atomenergie. Er ist verantwortlicher Redakteur der Website DiaNuke.org. Kumar Sundaram kennt die Anti-Atom-Bewegungen Indiens wie sonst kaum jemand.